" … wahr ist, daß Geschichte die Voraussetzung der Gegenwart ist und daß der Umgang mit der Geschichte damit auch zum Fundament der Zukunft wird. (Roman Herzog am 19. 1. 1996 vor dem Dt. Bundestag)
Adolf Hitler persönlich gründete bereits 1930 den "Traditionsgau München- Oberbayern". Dieser Gau nahm unter den reichsweit 41 Gauen (im Jahr 1943) eine Vorreiterfunktion für die "nationalsozialistische Bewegung" ein. Der Gau umfasste weitgehend das Gebiet des heutigen Bezirks Oberbayern und damit auch den heutigen Landkreis Rosenheim. Die NSDAP hatte im "Traditionsgau" schon 1932 eine hierarchische Parteienstruktur von den Ortsgruppen der ländlichen Gemeinden über die Kreisleitung bis zu Gauleiter Adolf Wagner geschaffen, der Adolf Hitler direkt unterstand.
Wissenschaftliche Forschungen der Referentin über das Obere Priental und heimatkundliche Forschungen zu Orten im Inntal geben faktenreich Beispiele, wie die Reichspolitik auch in entlegenen Gebieten vollumfänglich zur Umsetzung kam. Totale Überwachung und Kontrolle funktionierten auch auf dem Land mittels der Besetzung vieler "politischer Ämter" und der Einführung des Blockwart-Systems. Vorgänge der Ausgrenzung und Entrechtung erfassten Menschen, welche der ideologischen NS-Konstruktion von "Rasse", "politischer Zuverlässigkeit", "Leistung" und "Volksgemeinschaft" nicht entsprachen. Einzelbeispiele geben den Entrechtungen und Verfolgungen ein individuelles Gesicht und Geschichte wird biografisch (be-)greifbar.
Der Vortrag enthält zuletzt Hinweise zur individuellen historischen Recherche über digitale Zugänge.