Stille Nacht, heilige Nacht

Lange Zeit dachte man, das Lied "Stille Nacht, heilige Nacht" stammt aus Tirol. Hat eine Maus die Orgel angenagt und damit die Ur--Aufführung fast verhindert? Ist es noch 1839 vor dem Hamilton-Monument in New York augeführt worden? Und stimmt es, dass es kaum eine Sprache gibt, in der es heute nicht gesungen wird?

ENTSTEHUNG

Ein Hilfspfarrer aus Salzburg namens Joseph Mohr schrieb das Gedicht "Stille Nacht" im Jahr 1816. Zwei Jahre später bat er Franz Xaver Gruber eine passende Melodie zu komponieren. Das Werk wurd erstmals in Oberndorf bei Salzburg zu Weihnachten 1818 uraufgeführt. Die beiden Urheber gerieten danach in Vergessenheit.

Der berühmte Zillertaler Orgelbauer, Carl Mauracher reparierte 2 Jahre späte die Orgel in der St.-Nikolaus-Kirche in Oberndorf und nahm einige Lieder und Noten mit nach Tirol, darunter vermutlich auch "Stille Nacht". So ist es wohl zu erklären, wie es die erste Generation der Geschwister Rainer (laut einer mündlichen Überlieferung) schon wenige Jahre später vor Kaiser Franz I. und Zar Alexander I. gesungen haben soll.

Dem Zaren gefiel das Konzert aber so gut, dass er die Geschwister einlud, nach Russland zu kommen. Auf ihrer Reise gelangten sie nach Norddeutschland und England. In Großbritannien durften sie auf Schloss Windsor und im Buckingham Palace vorsingen. Queen Victoria erwähnte sie sogar in ihrem Tagebuch. Ein Teil der Gruppe ist tatsächlich einige Zeit später auch nach Russland gekommen.

Tiroler Wanderhändler

Auf den Märkten in Europa waren Tiroler Händler stets vertreten. Äußerlich erkannte man sie an der schönen Tracht und am Singen. Ihre Lieder sorgten für viel Aufmerksamkeit. Singen wurde so lukrativ, dass einige Familien mit dem Handel aufhörten und zu Wandersängern wurden.

Die Geschwister Strasser aus Hippach gehörten zu den ersten, die auf diese Ideen kamen. Ihr Gesang sorgte in Leipzig für viel Aufsehen: Leipziger Tageszeitungen lobten die Tiroler in höchsten Tönen. Sie wurden sogar vom König von Sachsen auf seinen Hof eingeladen. "Stille Nacht" gehörte zur Weihnachtszeit zu ihrem festen Repertoire. Das Lied, das als "ächtes Tyroler Lied" bezeichnet wurde, entzückte das Publikum in ganz Europa. Es galt als Tiroler Volkslied ohne eindeutigen Autor, und dieser Mythos hielt sich lange.

Erst 1850 wirbelte eine Anfrage der Königlich-Preußischen Hofkapelle in Berlin an das Erzstift St. Peter in Salzburg Staub auf. Franz Xaver Gruber sah sich gezwungen, die "Authentische Veranlassung" zu verfassen, in der er erklärte, wie es zur Entstehung kam.

Ob aus Salzburg oder aus Tirol - das Weihnachtslied der Weihnachtslieder ist und bleibt "Stille Nacht, heilige Nacht" und gehört zu den ganz wenigen Liedern, deren Zauber man erst an Heiligabend erklingen lässt.

(Quelle: Tiroler Tageszeitung, Beilage Stille Nacht, Ausgabe Winter 2018/19)